Wonder Woman wurde im Dezember 1941 aus der Feder von William Moulton Marston und dem Zeichenstift von Harry G. Peter geboren — zwei Namen, die untrennbar mit der Geschichte des amerikanischen Comics verbunden sind. Seitdem hat eine Handvoll Kreativer die Amazone jeweils in ihrer Epoche neu erfunden: Robert Kanigher im Silver Age, George Perez beim Relaunch von 1987, danach Greg Rucka, Gail Simone und das Duo Brian Azzarello & Cliff Chiang im 21. Jahrhundert. Die Schlüsselausgaben dieser Runs zeigen, wenn sie zum Verkauf kommen, die anhaltende Bedeutung jedes Autors.
Erschaffen für All Star Comics #8 (Dezember 1941, Erstauftritt) und anschließend Hauptheldin von Sensation Comics #1 (Januar 1942, erstes Cover), ist Wonder Woman eine von nur drei DC-Figuren, die seit dem Golden Age ununterbrochen veröffentlicht wurden. Dieser Status ist das Ergebnis kollektiver Arbeit: In jedem Jahrzehnt hat sich ein Autor — oder ein Duo — der Figur angenommen und ihre Grundregeln neu geschrieben, ohne die ursprünglich feministische Essenz zu verraten.
Dieser Leitfaden zeichnet die grundlegenden Runs, ihre prägenden Schlüsselausgaben und die dokumentierten Preise nach. Die eBay-Mediane stammen aus unserem Preisschätzer (eBay.fr + eBay.com, Juni 2026); die Auktionsrekorde stammen von Heritage Auctions, CGC News und GoCollect. Wenn eine genaue Zahl nicht bestätigt ist, wird sie qualitativ beschrieben.
William Moulton Marston & Harry G. Peter: die Begründer (1941–1947)
William Moulton Marston war Psychologe, Erfinder des Lügendetektors und Verfechter der Frauenrechte — all das, bevor er Comics schrieb. Als er Wonder Woman erschafft, bekennt er sich offen zu einer Figur, die starke weibliche Werte in einem von männlicher Gewalt dominierten Genre verkörpert. Harry G. Peter, ein Pressezeichner, dessen grafischer Stil zugleich an Art déco und klassische Figuren erinnert, verleiht ihr ein sofort wiedererkennbares Erscheinungsbild. Die Kombination bringt Ausgaben hervor, die heute zu den wertvollsten des Golden Age zählen:
- All Star Comics #8 (Dez. 1941) — Erstauftritt von Wonder Woman: dokumentierter Rekord 1.620.000 $ für ein CGC 9.4 (Heritage Auctions, Juni 2022), vorheriger Rekord 936.223 $ (2017).
- Sensation Comics #1 (Jan. 1942) — erstes Cover: dokumentierter Rekord 399.100 $ für ein CGC 9.6 (Heritage Auctions, 2017).
- Wonder Woman Vol. 1 #1 (Sommer 1942) — erstes Solo-Heft: dokumentierter Rekord ~291.000 $ (Heritage Auctions).
Diese drei Ausgaben — All Star Comics #8, Sensation Comics #1 und Wonder Woman Vol. 1 #1 — bilden die gründende Trinität. Auf eBay ist das Signal für die ersten beiden zu schwach (unterschiedliche Serien, seltene Verkäufe); hier sind allein die Auktionsrekorde maßgeblich. Marston verstirbt 1947; Peter arbeitet bis in die 1950er Jahre weiter.
Robert Kanigher & Ross Andru: das Silver Age (1958–1968)
Nach einer Übergangsphase bringt Robert Kanigher — bereits seit den 1940er Jahren fester Autor der Serie — Wonder Woman zusammen mit dem Zeichner Ross Andru ins Silver Age. Wonder Woman #98 (Mai 1958) gilt als die erste Silver-Age-Ausgabe des Titels: Kanigher schreibt darin die Herkunft der Figur vollständig neu, passend zum DC-Zeitgeist jener Zeit. Unser eBay-Schätzer ermittelt einen Median von 9 € bei 63 aktiven Angeboten — ein liquider Markt für niedrige Erhaltungsgrade. Die Ausgabe bleibt in hohen Graden schwer zu finden (im CGC-Census kein Exemplar über 8.0 verzeichnet), was sie zu einem begehrten Ziel für Silver-Age-Spezialisten macht.
Dennis O'Neil & Mike Sekowsky: der Bruch von 1968
1968 vollziehen Autor Dennis O'Neil und Zeichner Mike Sekowsky einen radikalen Bruch: In Wonder Woman #179 (Dez. 1968) verzichtet Diana auf ihre Amazonenkräfte, legt ihr Kostüm ab und wird zu einer einfachen Sterblichen, Besitzerin einer Modeboutique in New York unter dem Namen Diana Prince. Diese „Mod"-Ära — ironischerweise zeitgleich mit den feministischen Bewegungen — wird von Gloria Steinem selbst kritisiert, die sich für die Wiederherstellung ihrer Kräfte einsetzt. Kanigher kehrt 1973 zurück und zeichnet verantwortlich für Wonder Woman #204: Diana erhält ihre Kräfte und ihr Kostüm zurück, und dieselbe Ausgabe führt zugleich Nubia ein, die erste schwarze Figur im Wonder-Woman-Universum. Unser eBay-Schätzer ermittelt einen Median von 9 €, Höchstwert 24 €, bei 28 aktiven Angeboten.
George Perez: der Relaunch von 1987 (Vol. 2)
Nach dem Ende von Crisis on Infinite Earths, das Vol. 1 mit Ausgabe #329 (1986) abschließt, überträgt DC den Relaunch George Perez. Wonder Woman Vol. 2 #1 (Februar 1987) beginnt bei null: Perez verankert Diana in der griechischen Mythologie, erfindet die Geschichte der Amazonen neu und hebt den Titel auf ein bis dahin unerreichtes erzählerisches Ambitionsniveau. Sein Run dauert bis 1992 (Ausgabe #62 als Autor) und bleibt bis heute die absolute Referenz für die Figur im Modern Age. Wichtiger Hinweis: Für Vol. 2 #1 finden sich nur 5 aktive eBay-Angebote — ein zu schwaches Signal für einen verlässlichen Median; die Mehrheit dieser Angebote betrifft gängige Exemplare mit niedrigem Wert. Das Prestige dieses Runs zeigt sich besser in seinen Omnibus-Neuauflagen, die sich im Buchhandel weiterhin gut verkaufen.
Greg Rucka: die redaktionelle Autorität (2003–2006)
Greg Rucka übernimmt die Serie 2003 nach dem Graphic Novel Wonder Woman: The Hiketeia (2002), das Diana in ein moralisches Dilemma mit Batman stürzt. Sein Run auf dem monatlichen Titel (etwa 2003–2006, Vol. 2 #195–226) macht Wonder Woman zur Botschafterin bei den Vereinten Nationen, konfrontiert mit geopolitischen Fragen ebenso wie mit den griechischen Göttern. Der Handlungsbogen Eyes of the Gorgon (Ausgaben #205–213) gipfelt in einem Kampf gegen Medusa im Yankee Stadium, in dem Diana sich freiwillig blenden lässt, um die Gorgone live zu besiegen. Rucka kehrt 2016 (Rebirth) zur Figur zurück und bringt eine Erzählung mit zwei ineinander verschränkten Zeitebenen mit.
Gail Simone: die längste Serie einer Autorin (2007–2010)
Gail Simone, die erste Frau, die einen langen Run auf Wonder Woman übernimmt, beginnt mit Ausgabe #14 (Vol. 3, 2007) und bleibt bis #44 sowie der Jubiläumsausgabe #600. Ihr denkwürdigster Handlungsbogen, Rise of the Olympian, führt Genocide ein — ein Monster, das es mit Diana aufnehmen kann — und stellt die Hierarchie der Götter des Olymp neu dar. Wonder Woman #200 (Vol. 1, 1972) verzeichnet einen eBay-Median von 22 € bei 22 aktiven Angeboten; Ausgabe #600, die Jubiläumsausgabe von 2010, kommt auf einen Median von 10 € bei 18 aktiven Angeboten — eine solide Bilanz für zwei starke Sammlerausgaben.
Brian Azzarello & Cliff Chiang: die mythologische Neuinterpretation des New 52 (2011–2014)
Als DC im September 2011 das New 52 startet, übernehmen Azzarello und Chiang Wonder Woman und liefern das ab, was viele als den stimmigsten Run der gesamten Reihe betrachten: 35 Ausgaben ohne Bruch in der erzählerischen Kontinuität, in denen Diana entdeckt, dass sie die Tochter des Zeus ist und keine belebte Tonstatue. Chiangs grafischer Stil — reduziert, klassisch und zugleich brutal — ist sofort wiedererkennbar. Wonder Woman #219 (Vol. 2), Schlüsselausgabe eines früheren Handlungsbogens, weist einen eBay-Median von 9 € bei 35 aktiven Angeboten auf. New 52 Vol. 4 #1 ist für unter 10 € auf eBay als gängiges Exemplar erhältlich.
Übersichtstabelle der Schlüsselausgaben nach Epoche
| Ausgabe | Kreative | Bedeutung | eBay-Daten (alle Erhaltungsgrade) |
|---|---|---|---|
| All Star Comics #8 (Dez. 1941) | Marston / Peter | 1. Auftritt von Wonder Woman | Signal zu schwach — Rekord: 1.620.000 $ (CGC 9.4, Heritage 2022) |
| Sensation Comics #1 (Jan. 1942) | Marston / Peter | 1. Solo-Cover | Signal zu schwach — Rekord: 399.100 $ (CGC 9.6, Heritage 2017) |
| Wonder Woman Vol. 1 #1 (1942) | Marston / Peter | 1. Solo-Titel | Signal zu schwach — Rekord: ~291.000 $ (Heritage) |
| WW #98 (Mai 1958) | Kanigher / Andru | Beginn Silver Age, neue Herkunftsgeschichte | Median 9 € · 63 Angebote |
| WW #204 (Jan. 1973) | Kanigher / Heck | Kräfte wiederhergestellt + 1. Auftritt Nubia | Median 9 € · Höchstwert 24 € · 28 Angebote |
| WW Vol. 2 #1 (Feb. 1987) | Perez / Potter | Relaunch nach Crisis | 5 Angebote — Signal zu schwach |
| WW #200 (Vol. 1, 1972) | Sekowsky | Jubiläumsausgabe Run Rucka | Median 22 € · 22 Angebote |
| WW #600 (2010) | Simone / diverse | Jubiläumsausgabe, Ende Run Simone | Median 10 € · 18 Angebote |
Quellen Rekorde: Heritage Auctions, CGC News, sellmycomicbooks.com. eBay-Mediane: Preisschätzer mycomicscollection.com, Juni 2026.
Das popkulturelle Erbe: von Lynda Carter bis Gal Gadot
Der Einfluss der oben genannten Kreativen reicht weit über die Comics hinaus: Die Fernsehserie mit Lynda Carter (ABC/CBS, 1975–1979, drei Staffeln) hat das Bild der Amazone für Jahrzehnte in der Populärkultur verankert. Der Film Wonder Woman (2017), inszeniert von Patty Jenkins mit Gal Gadot, spielte weltweit 824 Millionen Dollar an den Kinokassen ein — der erste weibliche Solo-Superheldenfilm, der diese Schwelle überschritt. Dieser Erfolg beruht zum Teil auf der erzählerischen Tiefe, die Marston, Perez, Rucka und ihre Nachfolger aufgebaut haben: Diana ist eine Figur, die Komplexität trägt.
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