In Frankreich wird Marvel von Panini Comics veröffentlicht, das die Lizenz seit Januar 1997 hält (zuerst unter dem Namen Marvel France). DC Comics und sein ehemaliges Label Vertigo werden von Urban Comics veröffentlicht, einer Tochter von Dargaud (Gruppe Média Participations), deren erstes Buch am 20. Januar 2012 erschien. Image Comics hat keinen einzigen Verlag: Da seine Serien ihren Autoren gehören, wird jeder Titel einzeln verhandelt, zum Beispiel Saga bei Urban oder The Walking Dead bei Delcourt, einem Verlag von Kioskcomics seit 2005. Valiant ist seit 2016 bei Bliss. Davor ging Marvel durch Lug (ab 1969) und dann Semic (1989-1996), und DC durch Semic und dann Panini (von etwa 2005 bis 2011). Zu wissen, wer was veröffentlicht, heißt zu wissen, welche Reihe, welches Format und welche Übersetzung man kauft.
Ein Comicleser in Frankreich kauft selten ein Buch „von Marvel“ oder „von DC“: Er kauft ein Buch von Panini oder Urban Comics, mit deren Format, Übersetzung, Reihennummerierung und Neuauflagenpolitik. Die Karte der französischen Verlage zu verstehen, ist keine Spezialistenübung. Sie erlaubt es zu wissen, wo man einen Titel suchen soll, warum zwei Ausgaben derselben Geschichte nebeneinander bestehen und warum eine Serie manchmal mittendrin endet.
Dieser Artikel zeichnet diese Karte, Lizenz für Lizenz, und geht dann die Geschichte dieser Lizenzen seit 1969 zurück. Er spricht nur von Verlagen: weder von Verkaufsstellen noch von Plattformen. Für ein qualitatives Ranking der amerikanischen Verlage selbst siehe unser Ranking der Comicverlage.
Die aktuelle Karte, Lizenz für Lizenz
Marvel: Panini Comics
Panini erhält die Marvel-Lizenz im Januar 1997 über eine Struktur namens Marvel France, inzwischen in Panini Comics France umbenannt. Schon im Februar 1997 erscheinen fünf Zeitschriften am Kiosk, darunter Spider-Man, Avengers und Silver Surfer. Fast dreißig Jahre später veröffentlicht Panini das gesamte Marvel-Universum, in Zeitschriften, Softcover-Sammelbänden und gebundenen Ausgaben, sowie die Star-Wars-Lizenz als Comic.
DC Comics: Urban Comics
Als Panini im Sommer 2011 die DC-Lizenz verliert, kauft Média Participations, Muttergesellschaft von Dargaud, sie auf und gründet Urban Comics. Der erste Titel, am 20. Januar 2012, ist eine großformatige Neuausgabe von Watchmen. Urban gliedert seinen Katalog in Reihen nach Epochen: „DC Archives“ für die Werke von 1936 bis 1985, „DC Classiques“ für 1985 bis 2011, „DC Renaissance“ für den Neustart von 2011, dann „DC Rebirth“. Hinzu kommen Vertigo, eine Reihe von Independents und seit 2018 eine Reihe „DC Black Label“.
Image Comics: mehrere Verlage
Image ist kein Verlag wie Marvel oder DC: Seine Serien gehören meist ihren Schöpfern. Es gibt in Frankreich also keine einheitliche „Image-Lizenz“. Jede Serie wird einzeln abgetreten, und die Titel von Image verteilen sich auf mehrere französische Häuser. Urban Comics veröffentlicht so Saga seit April 2012, Delcourt veröffentlicht The Walking Dead, und kleinere Häuser haben andere Serien übernommen.
Delcourt: Comics für Erwachsene und Independents
Delcourt ist zunächst ein Verlag für franko-belgische Bandes dessinées, veröffentlicht aber seit Langem Comics. Seine Reihe Contrebande hat Werke für Erwachsene aufgenommen, darunter 1999 die Gesamtausgabe von V wie Vendetta. Seit April 2005, auf Anregung von Thierry Mornet, einem ehemaligen Semic-Mann, veröffentlicht er auch Comics am Kiosk. Sein Katalog vereint vor allem amerikanische Independent-Serien, darunter The Walking Dead.
Valiant: Bliss
Valiant wurde in Frankreich bis September 2015 von Panini veröffentlicht, ohne großen Erfolg. Zwei Gründer schlagen dem amerikanischen Verlag dann vor, ihm ein ganzes Haus zu widmen: Bliss Comics, später Bliss Éditions, bringt seine ersten Bücher im April 2016 heraus, im gebundenen Format. Es ist das deutlichste Beispiel einer Lizenz, die mit dem Verlagswechsel ihre Strategie ändert.
Über diese fünf Häuser hinaus veröffentlicht eine Konstellation kleiner Verlage amerikanische Independent-Titel, oft einzeln, je nach verfügbaren Lizenzen. Die großen Manga- und franko-belgischen Bande-dessinée-Verlage veröffentlichen gelegentlich ebenfalls Comics. Für diese Titel gilt dieselbe Regel wie für Image: Man sucht die Serie, nicht das Haus.
Wie es dazu kam: ein halbes Jahrhundert Lizenzen
Die aktuelle Karte ist nur der jüngste Stand einer Geschichte von Lizenzen, die in regelmäßigen Abständen den Besitzer gewechselt haben. Jeder Wechsel hat Spuren in den Bibliotheken hinterlassen: unterbrochene Serien, andere Übersetzungen, Nummerierungen, die neu beginnen.
1969: Lug, der Verlag aus Lyon
Lug, 1950 in Lyon von Marcel Navarro und Alban Vistel gegründet, veröffentlicht kleinformatige Abenteuerhefte. Ab 1969 macht er die Marvel-Superhelden in Frankreich bekannt, mit Fantask und dann Strange, 1970 gestartet. Für die Leser der Siebziger- und Achtzigerjahre kommen die Marvel-Superhelden über diese Lyoner Zeitschriften. Unser Artikel Lug und Strange, die Hefte vor 1980 behandelt diese Zeit unter Sammlergesichtspunkten.
1989: Semic übernimmt Lug
Im Januar 1989 geht Marcel Navarro in den Ruhestand und verkauft die Lug-Titel an die skandinavische Pressegruppe Semic. Die Zeitschriften erscheinen unter dem Namen Semic France weiter, der auch DC, Image und italienische Fumetti veröffentlicht.
1996-1997: Marvel geht an Panini
Im Oktober 1996 verliert Semic die Marvel-Lizenz. Alle Marvel-Übersetzungen enden, auch in Strange, das seit sechsundzwanzig Jahren erschien. Semic kompensiert mit DC-Titeln, die es in Strange unterbringt, und mit Image, etwa Gen 13 oder WildC.A.T.s. Im Januar 1997 holt sich Panini Marvel. Semic wird Ende 1998 aufgekauft und verschwindet 2005.
2005-2011: DC bei Panini
Die DC-Titel, deren französische Ausgabe seit Anfang der Achtzigerjahre als chaotisch beschrieben wurde, gehen für etwas mehr als fünf Jahre zu Panini. Panini veröffentlicht dann Marvel und DC zugleich.
2012: Urban Comics
Im Sommer 2011 verliert Panini DC. Urban Comics startet im Januar 2012, in dem Moment, in dem DC sein gesamtes Universum mit Heften 1 neu startet. Urban stellt einige von Panini laufend gelassene Serien ein und beginnt bei anderen bei null, mit einer Gliederung nach Epochen.
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Die unterbrochenen Serien. Wenn eine Lizenz den Besitzer wechselt, übernimmt der neue Verlag nicht zwangsläufig die laufenden Serien. Der Wechsel von DC von Panini zu Urban 2011-2012 ist das am besten dokumentierte Beispiel: Manche von Panini begonnene Serien wurden nicht fortgesetzt. Ein Sammler, der die ersten Bände einer unterbrochenen Serie besitzt, muss wissen, dass die Fortsetzung auf Französisch vielleicht nicht existiert oder in anderer Aufteilung neu aufgelegt wurde.
Die Übersetzungen. Dieselbe Erzählung kann je nach Verlag in zwei französischen Übersetzungen existieren. V wie Vendetta ist ein gutes Beispiel: die Übersetzung von Jacques Collin, verwendet von Zenda, Delcourt und dann Urban, und die von Alex Nikolavitch, eigen der Panini-Ausgabe von 2009. Für einen aufmerksamen Leser ist das kein Detail.
Die Nummerierungen. Jeder Verlag nummeriert seine Zeitschriften und Reihen auf seine Weise, ohne Bezug zur amerikanischen Nummerierung. Dieselbe Geschichte kann in einem Heft von Strange bei Lug stehen, dann in einem Panini-Sammelband, dann in einer Gesamtausgabe. Um eine französische Sammlung zu verfolgen, muss man den Titel der Zeitschrift, ihre Nummer und die darin enthaltene amerikanische Episode notieren. Unser Leitfaden zum Einstieg in Strange und die Marvel-Zeitschriften in Frankreich wendet diese Methode an.
Der Wert. Der französische Markt unterscheidet deutlich zwischen den alten Kioskausgaben (Lug, Semic) und den modernen Sammelbänden. Die ersten sind Sammelobjekte mit eigenen Schlüsselheften; die zweiten sind vor allem Lesebücher, beliebig neu aufzulegen. Für die Semic-Zeit zeigt unser Artikel über die Spider-Man-Hefte von Semic, wie dieser Markt organisiert ist.
Drei Fragen, die man sich vor dem Kauf stellen sollte
Wer veröffentlicht die Serie heute?
Für Marvel und DC ist die Antwort einfach: Panini und Urban. Für alles andere suchen Sie die Serie nach ihrem Titel. Eine Independent-Serie kann zwischen zwei Bänden den Verlag gewechselt haben.
Ist die Ausgabe, die ich kaufe, vollständig?
Prüfen Sie, ob der aktuelle Verlag die Serie bis zum Ende veröffentlicht hat oder ob eine Gesamtausgabe sie vollständig aufnimmt. Die bei einem Lizenzwechsel eingestellten Serien sind die häufigste Falle.
Ist es die Übersetzung und das Format, die ich will?
Softcover oder gebunden, Zeitschrift oder Sammelband, alte oder neue Übersetzung: Diese Entscheidungen zählen mehr als der Name des Verlags. Treffen Sie sie, bevor Sie den ersten Band kaufen, um eine einheitliche Sammlung zu behalten.