⚡ Kurzantwort

Beim Pressen eines Comics vor dem CGC-Grading werden Wärme (maximal 50–60 °C), kontrollierte Feuchtigkeit und konstanter mechanischer Druck über 24 bis 72 Stunden eingesetzt, um nicht-brechende Knicke, Wellungen, Fingerabdrücke und leichten Color Rub verschwinden zu lassen. Das Pressen zu Hause bleibt bei Comics unter 200 $ mit einfacher Ausrüstung (beschwerte Flachpresse, Glassinpapier, Feuchtigkeitskammer) eine sinnvolle Option. Ab 500 $ oder bei jeder Schlüsselausgabe (Key Issue) wird der Gang zu einem Profi wie CCS (CGC's Conservation Services) oder Classics Inc. zur Pflicht: Ein Fehler bei einem rohen Amazing Spider-Man #129 kann einen Wertverlust von 2.000 bis 4.000 $ bedeuten.

Ein Comic gewinnt nach professionellem Pressing zwischen 0,5 und 1,5 CGC-Notenpunkte, wenn die behandelten Mängel ausschließlich nicht-strukturell sind. Dieser Unterschied macht bei einer Schlüsselausgabe oft mehr als 50 % des Endwerts aus: Ein roher Amazing Spider-Man #300, der auf 9.2 geschätzt wird und mit 9.6 zurückkommt, steigt im medianen Wert nach dem Grading von etwa 600 auf 1.200 Dollar. Dieser Ratgeber beschreibt den kompletten Pressing-Prozess für Comics: nötige Ausrüstung für das Pressen zu Hause, die Technik der Heißpresse kombiniert mit Befeuchtung, behandelbare gegenüber unbehandelbaren Mängeln, Dauer je nach Heftdicke, absolute Vorsichtsmaßnahmen, die niemals überschritten werden dürfen, sowie finanzielle Schwellenwerte, ab denen ein Profi hinzugezogen werden muss. Am Ende des Artikels wissen Sie, ob sich das Pressen für einen bestimmten Comic lohnt und wer es durchführen sollte.

Wozu dient Comic-Pressing wirklich?

Das Comic-Pressing, auf Englisch comic pressing, ist ein nicht-invasiver physischer Eingriff, bei dem Oberflächenmängel korrigiert werden, ohne Fremdmaterial hinzuzufügen. Im Gegensatz zur Restaurierung, die Klebstoff, Ersatzpapier, Farbretusche oder aufgefrischte Farbe einsetzt, fügt das Pressing nichts hinzu: Es bringt lediglich die Papierfasern wieder in Form. CGC betrachtet Pressing als zulässig, und es erscheint niemals auf dem Label – im Gegensatz zur Restaurierung, die ein violettes Restored-Label erzwingt und den Wert um das 3- bis 10-fache senkt.

Der Nutzen wird in halben oder ganzen Notenpunkten gemessen. Ein von einem erfahrenen Auge auf 9.0 geschätzter roher Comic kommt nach Pressing in etwa 40 % der Fälle als CGC 9.4 zurück, laut inoffiziellen CCS-Statistiken für den Jahrgang 1980–2000. Bei einem Walking Dead #1 (2003), der in 9.4 für 2.800 $ und in 9.6 für 4.200 $ gehandelt wird, wird das Pressing für 25–45 $ zu einem mathematisch rentablen Vorgang, vorausgesetzt die Erstdiagnose stimmt.

Das Pressing vollbringt keine Wunder. Es repariert weder einen brechenden Knick (color-breaking crease, bei dem die Faser gerissen und die Farbe abgeplatzt ist), noch ein Loch, einen Riss, einen Wasserfleck, Rost an den Klammern oder einen Fettfleck. Bei diesen Mängeln bleibt das Pressing wirkungslos oder verschlimmert die Lage, indem es Feuchtigkeit in die geschwächte Zone einbringt. Die visuelle Diagnose vor dem Pressing bestimmt 80 % des Endergebnisses.

Das Pressing erfolgt immer vor dem Einsenden zum Grading. Einen Comic graden zu lassen, den Slab zu erhalten, den Slab zum Pressen aufzubrechen und ihn dann erneut zum Grading zu schicken, verdoppelt die Kosten und fügt einen Zyklus von 6 bis 9 Monaten hinzu. Die richtige Reihenfolge lautet: Diagnose, Pressing, gegebenenfalls Dry Cleaning, dann Einsendung an CGC. Für den Gesamtkontext der Einsendung siehe Comics aus Frankreich an CGC senden.

Welche Mängel ein Pressing tatsächlich korrigiert

Die Liste der durch Pressing behandelbaren Mängel ist präzise und lässt keine Erweiterung zu. Diese Liste zu kennen, erspart 90 % der Enttäuschungen und unnötigen Ausgaben.

Der Cover-Curl, also die gebogene Wellung des Papiers, ist der am zuverlässigsten korrigierbare Mangel. Ein Comic, der jahrelang flach unter einem anderen gelagert wurde, biegt sich beim Herausnehmen in die Gegenrichtung. Das Pressing macht das Cover innerhalb von 24 bis 48 Stunden wieder rigoros plan, mit einer Erfolgsquote nahe 100 %. Es ist auch der Mangel, der beim visuellen CGC-Grade am stärksten ins Gewicht fällt: Ein mäßiger Curl blockiert einen Comic oft bei maximal 9.2.

Nicht-brechende Knicke, oder non-color-breaking creases, bezeichnen Stellen, an denen sich die Faser gefaltet hat, ohne zu reißen, und an denen die Farbe intakt bleibt. Rechtzeitig behandelt, verschwinden sie nach 48 bis 72 Stunden Pressing. Schnelltest: Man betrachtet den Knick mit einer 10-fach-Lupe bei streifendem Licht. Sieht man Weiß (das Papier) oder eine abgeplatzte Farblinie, ist der Knick brechend und das Pressing wird ihn nicht korrigieren. Sieht man lediglich eine Vertiefung des Papiers ohne Bruch, wird das Pressing wirken.

Fingerabdrücke und leichte Eindrückungen auf dem Cover, typisch für Comics, die am Kiosk angefasst und dann ohne Schutzhülle gelagert wurden, lassen sich teilweise korrigieren. Die Druckfarbe bleibt an Ort und Stelle, nur die mechanische Vertiefung bildet sich zurück. Rechnen Sie mit 60 bis 80 % visueller Verbesserung.

Leichter Color Rub an der Kante (die schwarze Abriebspur, die bei vertikal gestapelten Comics entsteht) lässt sich durch Pressing nicht wirklich beheben, aber das Geraderichten der Kante verbessert das Gesamtbild optisch. Bei Covern mit schwarzem oder marineblauem Hintergrund, wo der Rub sichtbarer ist, reicht Pressing allein nicht: Es muss mit Dry Cleaning kombiniert werden.

Der Eckenknick, also die Faltung an einer unteren oder oberen Ecke, lässt sich behandeln, wenn die Faltung frisch und nicht-brechend ist. Bei einem Comic aus den 1960er-Jahren, bei dem die Faltung 40 Jahre alt ist und sich dauerhaft in die Faser eingeprägt hat, fällt das Ergebnis nur teilweise aus: eine Verbesserung von 50 bis 70 %, nie ein vollständiges Verschwinden.

Explizite Liste der nicht behandelbaren Mängel: selbst kleinste Risse, verrostete Heftklammerlöcher, Wasserflecken (water damage), Fettflecken, Schimmelablagerungen, marginale Bräunung (tanning) durch Oxidation des säurehaltigen Papiers, color-breaking creases, werkseitige Fehlfaltungen (miswraps), originale Druckfehler, ausgerissene Heftklammern (staple pull). Ein Pressing bei diesen Mängeln zu versuchen, kostet den Preis der Behandlung ohne jeden Nutzen.

Diagnoseregel. Fotografieren Sie den Comic vor jedem Pressing auf schwarzem Hintergrund mit einer Lichtquelle im 45°-Winkel und untersuchen Sie jeden Knick mit einer 10-fach-Lupe. Fünf Minuten visuelle Diagnose ersparen zig Dollar unnötiges Pressing und bewahren die Integrität des Hefts.

Die minimale Ausrüstung für Pressing zu Hause

Ein funktionsfähiges Heim-Setup für Comic-Pressing kostet zwischen 150 und 400 $, ohne die Übungscomics für die Lernphase. Die Ausrüstung gliedert sich in vier Kategorien: Presse, Papierunterlagen, Feuchtigkeitsquelle, Messinstrumente.

Die Flachpresse ist das zentrale Element. Drei realistische Optionen bestehen. Die Wärmeübertragungspresse (heat press) vom T-Shirt-Typ (Modelle Cricut, Hotronix, PowerPress) für 200 bis 350 $, mit einer Platte von 38x38 cm, Temperaturregelung von 0 bis 200 °C und Timer. Die manuelle mechanische Presse (Bindepresse oder handwerkliche Typografenpresse), zwischen 80 und 250 $, ohne Wärme, die eine gründlichere vorherige Befeuchtung erfordert. Die improvisierte Methode mit MDF-Platten und Gewichten (Hanteln, schwere Bücher), die für einfachen Curl funktioniert, aber bei Knicken unzureichend bleibt. Für jeden, der mehr als fünf Comics pro Jahr presst, bleibt die Wärmeübertragungspresse die vernünftigste Option.

Glassinpapier ist ein halbtransparentes, säurefreies Papier mit neutralem pH-Wert, das zwischen Presse und Comic gelegt wird, um jeden direkten Kontakt zu vermeiden. Zertifiziertes Archival-Glassin mit 35–50 g/m² (ohne Lignin, ohne Chlor) findet man bei Archivmaterial-Anbietern (Talas, University Products, in Frankreich Stouls) für 20–40 $ pro 10-Meter-Rolle. Niemals Backpapier aus der Küche verwenden: Es enthält Silikon, das in das Cover einwandert und einen irreversiblen fettigen Schleier hinterlässt.

Die Feuchtigkeitskammer ist ein hermetischer Behälter (30-Liter-Kunststoffwanne oder ein eigens dafür vorgesehenes Aquarium), in dem der Comic über einem feuchten Schwamm oder einem Becken mit destilliertem Wasser aufgehängt wird. Die angestrebte relative Luftfeuchtigkeit liegt zwischen 80 und 92 % rF, niemals darüber. Zu hohe Luftfeuchtigkeit verursacht ein irreversibles Wellen des Papiers (cockling) und eine Wanderung der Druckfarbe. Ein digitales Hygrometer für 15–25 $ wird hier zum kritischen Instrument, nicht zum Spielzeug.

Ergänzende Messinstrumente umfassen ein Infrarot-Oberflächenthermometer (20–40 $), eine beleuchtete 10-fach-Lupe (15–30 $), fusselfreie Baumwollhandschuhe (5 $ für zehn Stück) und ein Präzisionscutter zum Zuschneiden des Glassins. Die Gesamtinvestition beginnt bei 150 $ für ein Basis-Setup und steigt auf 400–500 $ für eine komfortable Werkstatt.

Der Pressing-Prozess Schritt für Schritt

Die Standardtechnik kombiniert eine vorherige sanfte Befeuchtung mit Heißpressen unter konstantem Druck. Der Ablauf bleibt für einen modernen Comic auf Glanzpapier und für einen Silver-Age-Comic auf Zeitungspapier identisch, nur Temperaturen und Dauer variieren.

Schritt 1: Befeuchtungsphase (12 bis 24 Stunden). Den geöffneten Comic senkrecht in der Feuchtigkeitskammer aufhängen, 5–10 cm über einem mit destilliertem Wasser vollgesogenen Schwamm. Ziel-Luftfeuchtigkeit: 85–90 %. Raumtemperatur 20–22 °C. Das Papier nimmt nach und nach Feuchtigkeit auf, die Fasern entspannen sich, Knicke und Curl beginnen sich von selbst zu glätten. Bei einem fragileren Silver-Age-Heft (Zeitungspapier der 1960er–1970er-Jahre) verkürzt man auf 8–12 Stunden und hält maximal 80 % rF ein.

Schritt 2: Transfer in die Presse (5 Minuten). Den Comic aus der Kammer nehmen. Flach auf die untere Platte der Presse legen, ein Glassinblatt darüber und darunter einlegen. Die Presse schließen bei 50–55 °C für moderne Glanzpapier-Comics, 40–50 °C für Silver-Age-Zeitungspapier, niemals über 60 °C. Mäßiger mechanischer Druck (typischerweise 30 bis 50 kg Kraft, über die Fläche verteilt).

Schritt 3: Hauptpressvorgang (4 bis 8 Stunden bei Hitze). Die Temperatur 4 bis 6 Stunden konstant halten für ein Standardheft mit 32 Seiten, bis zu 8 Stunden für ein dickeres Heft mit 64 oder mehr Seiten. Die Hitze in Kombination mit Druck und Restfeuchtigkeit bringt die Fasern wieder in Form. Die Presse während des Zyklus niemals öffnen: Ein Temperaturschock verursacht Kondensation und einen irreversiblen Fleck.

Schritt 4: Temperaturabsenkung (2 bis 4 Stunden). Die Heizung abschalten und die Presse mit dem Comic weiterhin unter Druck langsam abkühlen lassen. Diese Phase ist ebenso wichtig wie das Aufheizen: Ein schnelles Abkühlen verformt das Papier. Den mechanischen Druck während der gesamten Abkühlung aufrechterhalten.

Schritt 5: Kalte Stabilisierungsphase (24 bis 48 Stunden). Den Comic aus der Heißpresse nehmen und für weitere 24 bis 48 Stunden unter eine nicht beheizte mechanische Presse legen (MDF-Platten + Gewichte von 5–10 kg). Das Papier schließt seine Formstabilisierung ab. Eine normale Umgebungsfeuchtigkeit von 40–55 % rF ist in dieser Phase nötig, um die Rückkehr des Curls zu verhindern.

Gesamtdauer des Zyklus: zwischen 36 und 72 Stunden je nach Komplexität der Mängel. Ein Comic mit einfachem Curl ist nach 36 Stunden fertig. Ein Comic mit mehreren Knicken benötigt 60 bis 72 Stunden, manchmal zwei komplette Zyklen im Abstand von einer Woche.

Häufiger Fehler. Die kalte Stabilisierungsphase auszulassen, macht 30 bis 50 % des Pressing-Nutzens zunichte. Das Papier, das direkt aus der Heißpresse kommt, behält seine Form nur während der Abkühlung und nimmt in den folgenden 7 bis 14 Tagen teilweise seine Knicke wieder an. Die kalte Stabilisierung verankert die neue Form dauerhaft in der Faser.

Absolute Vorsichtsmaßnahmen, die niemals überschritten werden dürfen

Das Pressing ist ein reversibler Vorgang, wenn er gut ausgeführt wird, und irreversibel, wenn er misslingt. Fünf strikte Regeln umrahmen den Vorgang.

Regel 1: niemals über 60 °C. Darüber hinaus beginnt sich die Offsetdruckfarbe moderner Comics zu erweichen und kann wandern. Bei einem Silver-Age-Heft vergilbt das Zeitungspapier bei 65–70 °C durch Karamellisierung der im Holz verbliebenen Zucker irreversibel. Das alle sechs Monate kalibrierte Infrarotthermometer bleibt die einzige Garantie.

Regel 2: niemals bei einem Comic mit perfekter Bindung (Spiralbindung, Klebebindung). Geheftete Comics (saddle stitched, die überwiegende Mehrheit der Einzelhefte) vertragen das Pressing. TPBs, Hardcover und OGNs mit Klebe- oder Fadenbindung halten der Hitze nicht stand: Der Klebstoff erweicht, die Seiten lösen sich, der Rücken verformt sich. Für einen zu pressenden Graphic Novel ausschließlich einen Profi mit geeigneter Ausrüstung beauftragen.

Regel 3: niemals bei einem Comic mit aktivem Wasserfleck oder Schimmel. Die Befeuchtung weckt Schimmelsporen und verbreitet den Fleck. Jeder Comic mit einem braun-gelben Rand um eine feuchte Zone muss vor jedem Pressing ein konservatorisches Dry Cleaning durchlaufen, und eher noch zu einem professionellen Restaurator.

Regel 4: niemals Leitungswasser. Kalkmineralien (Calcium, Magnesium) setzen sich beim Verdunsten auf dem Papier ab und hinterlassen bei streifendem Licht einen sichtbaren weißen Schleier. Destilliertes Wasser aus dem Supermarkt für 1–2 € pro 5-Liter-Kanister ist nicht verhandelbar.

Regel 5: niemals bei einer Schlüsselausgabe über 500 $ ohne vorherige Erfahrung an 20 bis 30 weniger wertvollen Comics. Die Lernkurve ist real. Ein Anfänger misslingt bei 1 von 3 Pressings in seinen ersten zehn Versuchen. Einen rohen Hulk #181 oder X-Men #94, geschätzt auf 9.0, zu vermasseln, kostet Tausende Dollar.

Wann man einen Profi hinzuzieht: CCS, Classics Inc. und andere

Die Umschaltschwelle zwischen Pressing zu Hause und beim Profi liegt bei etwa 200 $ Wert des rohen Comics, mit einer Grauzone zwischen 200 und 500 $. Über 500 $ wird der Profi obligatorisch. Bei einer Schlüsselausgabe über 1.000 $ stellt sich die Frage gar nicht erst.

CCS (CGC's Conservation Services) ist der offizielle, in CGC integrierte Pressing-Dienst mit Sitz in Florida. Preise 2026: Standardpressing für 25 $ pro modernem Comic, 35 $ für Silver Age, 55 $ für Golden Age. Das direkt anschließende CGC-Grading profitiert von einem kombinierten CCS+CGC-Tarif, der oft 10–15 $ unter der Summe der beiden getrennten Dienstleistungen liegt. Durchschnittliche Fristen: 30 bis 60 Tage für das Pressing, dann der klassische Grading-Zyklus. Um die CGC-Stufen zu verstehen, siehe CGC-Stufen und Serviceleistungen erklärt.

Classics Inc. mit Sitz in Pennsylvania ist die andere professionelle Referenz. Preise zwischen 18 und 40 $ je nach Epoche und Komplexität. Anerkannter Spezialist für Golden Age und fragiles Zeitungspapier. Fristen: 45 bis 90 Tage ohne Rückstau. Die Einsendung kann mit CGC- oder CBCS-Grading kombiniert werden.

Andere Anbieter: Tracey Heft (exzellenter Ruf bei vintage Schlüsselausgaben), Matt Nelson (historischer Gründer von CCS, bietet einen unabhängigen High-End-Service für 60–150 $ pro Heft an), diverse unabhängige Anbieter auf eBay oder Facebook, bei denen eine sorgfältige Überprüfung des Rufs vor jeder Einsendung nötig ist.

Für Frankreich und Europa hat kein lokaler Pressing-Anbieter die CGC-Anerkennung erreicht. Der Versand in die USA bleibt der überwiegende Weg, mit Logistikkosten von 30 bis 80 $ hin und zurück je nach Gewicht. Die Rentabilitätsschwelle für professionelles Pressing aus Frankreich steigt daher auf mindestens 250–300 $ Rohwert, um die Versandkosten aufzufangen.

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Die Rentabilität eines Pressings berechnen, bevor man loslegt

Das Pressing lohnt sich nur, wenn der Wertzuwachs nach dem Grading die Gesamtkosten des Vorgangs übersteigt. Die Rechnung berücksichtigt drei Variablen: geschätzter Rohwert des Comics vor dem Pressing, geschätzter Wert nach dem Pressing beim erhofften Grade, Gesamtkosten (Pressing + Grading + Versand + Versicherung).

Konkretes Beispiel an einem Amazing Spider-Man #129. Roher Comic, von einem erfahrenen Auge auf 8.5 bis 9.0 geschätzt, Marktwert etwa 800 $. CCS-Pressing 35 $ + CGC-Grading Tier Modern Economy 65 $ + Hin- und Rückversand Frankreich 75 $ + Versicherung 30 $ = 205 $ Gesamtkosten. Kommt der Comic als CGC 9.4 zurück, steigt sein Wert auf etwa 1.400 $, also ein Nettogewinn von 395 $ vor eventuellen Steuern. Gewinnt das Pressing nur einen halben Punkt (8.5 auf 9.0), Wert 1.050 $, beträgt der Nettogewinn nur 45 $: eine Grenzoperation.

Umgekehrtes Beispiel an einem Walking Dead #25 (gängige Variante), roh geschätzt auf 9.0, Wert 80 $. Identische Gesamtkosten von 205 $. Selbst mit einem Sprung auf CGC 9.8 (geschätzter Wert 200 $) bleibt der Nettogewinn negativ. Bei dieser Art von Comic ergibt das Pressing wirtschaftlich keinen Sinn.

Die einfache Regel: Pressing lohnt sich, wenn der geschätzte Rohwert des Comics 250 $ übersteigt und die Diagnose mindestens einen bedeutenden behandelbaren Mangel zeigt. Darunter ist Pressing eine Amateurausgabe. Um diese Entscheidungen über eine gesamte Sammlung hinweg zu steuern, zentralisiert ein Tool zur Sammlungsnachverfolgung die für Pressing/Grading infrage kommenden Comics und berechnet automatisch die prognostizierte Rentabilität.

Pressing mit anderen Maßnahmen kombinieren

Das Pressing fügt sich in eine Abfolge von Maßnahmen vor dem Grading ein, die stets derselben logischen Reihenfolge folgt.

1. Dry Cleaning: Trockenreinigung mit einem konservatorischen Radiergummi (Mars-Plastic-Radierer, Magic-Rub-Radierer oder spezialisierter Lineco-Radierer), um oberflächlichen Staub, frische Fingerabdrücke und leichte Bleistiftspuren zu entfernen. Dieser Schritt geht dem Pressing voraus: Einen schmutzigen Comic zu pressen, drückt die Partikel ins Papier ein.

2. Pressing: wie in diesem Ratgeber beschrieben. Folgt unmittelbar auf das Dry Cleaning.

3. Verpackung vor dem Grading: Einlegen in eine neue Mylar-Archivhülle mit säurefreiem Backing Board, Handhabung mit Baumwollhandschuhen, Fotografie vor dem Versand zur Nachverfolgbarkeit.

4. Einsendung an CGC: Wertangabe, Wahl der Stufe, Wahl des angestrebten Labels. Für Details zum Einsendeprozess und zur Logistik aus Frankreich siehe Comics aus Frankreich an CGC senden. Um die CGC-Labelfarben zu verstehen, siehe CGC-Labelfarben Bedeutung.

Eine fehlende oder vertauschte Maßnahme verschlechtert das Ergebnis. Einen schmutzigen und geknickten Comic zu verpacken und ihn erst nach dem Grading durch Aufbrechen des Slabs zu pressen, verdoppelt sämtliche Kosten und fügt einen Zyklus von 6 Monaten hinzu.

FAQ Pressing eines Comics vor CGC

Erscheint das Pressing auf dem CGC-Label?

Nein. Im Gegensatz zur Restaurierung, die ein violettes Restored-Label erzwingt, gilt das Pressing als konservatorisch und wird niemals vermerkt. Ein gepresster und anschließend gegradeter Comic erhält ein Standard-Blue-Universal-Label, identisch mit einem nicht gepressten Comic.

Wie oft kann man denselben Comic pressen?

Ohne sichtbaren Schaden maximal zwei bis drei Zyklen im Abstand von mehreren Wochen. Darüber hinaus verlieren die Papierfasern ihre Elastizität, das Papier wird bei der Handhabung brüchig und fragil. Ein vierter Pressvorgang misslingt in 7 von 10 Fällen.

Kann Pressing das Grade verschlechtern?

Ja, in etwa 5 % der Fälle bei professionellem Pressing und 15–20 % bei Amateur-Pressing. Ein misslungenes Pressing kann mit bloßem Auge unsichtbare brechende Knicke sichtbar machen, das Cover durch zu viel Feuchtigkeit verformen oder einen sichtbaren Wasserfleck erzeugen.

Muss man die Heftklammern vor dem Pressing entfernen?

Nein, niemals. Das Entfernen der Heftklammern gilt als Restaurierung und führt zum violetten Label. Die Heftklammern bleiben während des gesamten Pressing-Zyklus an ihrem Platz. Ist eine Klammer verrostet, wird das Pressing sie nicht korrigieren, und ein Staple Replacement (Klammernersatz) ist eine restauratorische Maßnahme, die zu vermeiden ist.

Welche Wartezeit zwischen Pressing und Einsendung an CGC?

Mindestens 48 Stunden nach dem Herausnehmen aus der Presse, idealerweise 7 bis 14 Tage. Diese Wartezeit stellt sicher, dass sich die neue Form des Papiers stabilisiert hat. Ein Comic, der sofort nach dem Pressing verschickt wird, riskiert eine teilweise Rückkehr der Mängel während des Transports und der Wartezeit auf das Grading.

Funktioniert das Pressing bei modernen Marvel/DC-Comics?

Ja, und das ist sogar sein bevorzugtes Einsatzgebiet. Das moderne Glanzpapier reagiert sehr gut auf mäßige Hitze und kombiniertes Pressing. Die Ergebnisse bei Walking Dead, Saga, Amazing Spider-Man ab 1990, Batman ab 1989 sind durchweg konsistent.

Kann man einen gegradeten CGC-Comic pressen?

Man muss zuerst den Slab aufbrechen (crack case), ein reversibler Vorgang, der jedoch die Garantie erlöschen lässt. Siehe Crack Case CGC: wann und warum. Dann pressen, dann erneut zum Grading einsenden. Der Vorgang verdoppelt die Kosten und ist nur sinnvoll, wenn das erhoffte Grade mehr als 0,4 Punkte über dem aktuellen Grade liegt.

Welche Comics sollte man niemals selbst pressen?

Jeden Comic mit einem Rohwert über 200 $, jedes Golden-Age-Heft (Papier zu fragil), jeden Comic mit Wasserfleck oder Schimmel, jedes TPB oder Hardcover, jeden Comic mit perfekter Bindung. Die Vorsichtsregel: Übersteigt der Wert das 10-fache der Kosten eines professionellen Pressings, ist der Profi Pflicht.